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„Wir könnten unser Programm auch mit verbundenen Augen fliegen“

Hinter den Kulissen der Patrouille de France: Wir begleiteten das Team durch alle Phasen seiner Show.

Wie sich ein Pilot einer Kunstflugstaffel auf sein Programm vorbereitet. Wie er sich im Cockpit fühlt. Und warum der Job nicht zu Ende ist, sobald er aus dem Flugzeug steigt: Mit Staffelkommandant Christophe Dubois am Puls der legendären Patrouille de France.

 Der Staffelkommandant über ...

... die Beziehung des Piloten zu seinem Flugzeug

„Wir fliegen mit Alpha Jets, weil sie so stabil in der Luft liegen und so gutmütig zu lenken sind. Jeder von uns fliegt immer die gleiche Maschine. Mein Flugzeug und ich, wir sind quasi verheiratet: Der Jet ist komplett auf mich abgestimmt. Wie sich die Maschine anfühlt, wie sie auf meine Befehle reagiert, welche Rückmeldung sie in der Luft gibt, all das mag sich von Maschine zu Maschine zwar nur in Details unterscheiden. Trotzdem wäre ich am Anfang trotzdem komplett verloren, müsste ich mein Flugzeug mit dem eines anderen Piloten tauschen.“

... die Vorbereitung der Flugvorführung

„Jede Airshow beginnt damit, dass ich mir alle Referenzpunkte am Boden einpräge.“ (Öffnet auf seinem Smartphone Google Earth und zoomt Zeltweg groß.) „Ich lerne alles auswendig, was ich sehe, bis jedes Detail vor meinem geistigen Auge lebendig wird. Diese Straße. Dieser Berg. Die Achsen, die Landebahnen, die Position von Häusern. Ich stelle mir vor, welches Manöver wo beginnen und enden muss. Dann kommt das Wetterbriefing. Jetzt berechne ich noch die Windrichtungen ein und korrigiere die eine oder andere Fluglinie. Dann kann es losgehen.“

... die letzten 75 Minuten vor dem Start

„Eineinviertel Stunden vor unserem Auftritt darf uns keiner mehr ansprechen. Wir setzen uns hin, schließen die Augen und gehen in Echtzeit Manöver für Manöver durch, 34 Minuten lang, mit Musik und mit allen Kommandos. Erst jetzt sind wir bereit, in unsere Cockpits zu steigen.“   

... die hochkonzentrierte Arbeit im Cockpit

„Das Anstrengendste ist die Zeit vor dem Start: Wir haben erst in der Luft Aircondition, bis dahin kann es im Cockpit ganz schön heiß werden. Sobald wir in der Luft sind, könnten wir unser Programm mit verbundenen Augen bestreiten. Denn wir fliegen nach Gehör. Ich dirigiere meine Kameraden per Funk wie ein Dirigent. Nur so können wir jede Bewegung völlig synchron ausführen. Wenn wir in der Luft sind, erfüllt jeder Flieger eine andere Aufgabe, so wie ein Instrument im Orchester.“

... die Nachbereitung jeder Show

„Wenn wir mit unserer Leistung unzufrieden waren, treffen wir uns gleich nach dem Aussteigen direkt am Rollfeld bei einem der Flugzeuge und lassen Dampf ab. Ansonsten versuchen wir, erst einmal runterzukommen und uns abzulenken. Dann gibt es meistens Autogrammstunden, und dann fahren wir in unsere Unterkunft. Dort analysieren wir das Video des Tages – denn wir haben einen Kameramann dabei, der jeden unserer Auftritte filmt, damit wir aus unseren Fehlern lernen können.

... das anstrengende Leben als Staffelpilot

„Wir treten von 15. Mai bis 15. Oktober auf und trainieren von 15. Oktober bis 15. Mai, durchschnittlich zweimal pro Tag. Wenn ich einmal im Jahr zwei, drei Wochen frei habe, versuche ich, nicht an Flugzeuge zu denken. Alles, was ich dann tue, ist Golfspielen – so bekomme ich den Kopf wieder frei. 

  • Patrouille France © Bundesheer Michael Steinberger
    Patrouille France © Bundesheer Michael Steinberger
  • Patrouille France © Bundesheer Michael Steinberger
    Patrouille France © Bundesheer Michael Steinberger
  • Patrouille France © Bundesheer Günter Wilfinger
    Patrouille France © Bundesheer Günter Wilfinger