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„Mit dem Draken begann eine neue Ära“

Oberst Doro Kowatsch, Urgestein der österreichischen Militärfliegerei, über einen Stargast der AIRPOWER16: Europas letzten flugfähigen Draken.

Oberst Doro Kowatsch, Urgestein der österreichischen Militärfliegerei, über einen Stargast der AIRPOWER16: Europas letzten flugfähigen Draken.

Herr Kowatsch, viele Fans freuen sich schon darauf, bei der AIRPOWER16 den letzten flugfähigen Saab Draken Europas zu sehen. Was ist denn so besonders an diesem Flugzeug?

Der Draken war Österreichs erster Überschalljäger, unser Schuhlöffel für eine Entwicklung, von der wir noch heute profitieren. Mit dem Draken konnten wir unseren Luftraum erstmals professionell überwachen, weil das moderne System Goldhaube endlich mit einem leistungsfähigen Abfangjäger komplettiert wurde. Dazu wurden auch die taktischen Verfahren entwickelt. Dieses Know-how bildete auch die Basis bei der Einführung des Eurofighters. 

Sie haben selbst am 6. Juni 1988 den ersten Draken nach Graz überstellt ...

Offiziell schon. Vorher waren wir aber schon einmal für einen Pressetermin in Wien damit, das war im Jänner. Die Anschaffung war ja damals sehr umstritten, und wir wollten demonstrieren, dass die Welt nicht gleich untergeht, wenn ein Draken startet.

Wie wurden Sie denn für Österreichs erstes Überschallflugzeug geschult?

Ich war unter den ersten drei, die von Oktober ’85 bis Juni ’88 in Schweden ein umfangreiches Trainingsprogramm absolviert haben. Die nachfolgenden Piloten machten die Typenschulung in Schweden, die taktische Ausbildung erfolgte in Österreich unter meiner Leitung. 

Wie fliegt sich so ein Draken denn, übersetzt für den Normalverbraucher? Kann man das mit dem Umstieg in einen Porsche vergleichen, wenn man bisher einen Golf gefahren ist?

Eher mit dem Umstieg in ein Formel-1-Auto. Genauer gesagt: in ein Formel-1-Auto aus den 1960er-Jahren – also eines, das im Grenzbereich widerspenstig wird, eines, bei dem der Pilot alle Probleme selbst lösen muss, bis hin zum Einstellen des elektronischen Rauschens am Radar. Sie müssen sich vorstellen: Der Draken war eineinhalb Mal so schnell wie die Saab-105, die wir bis dahin gewöhnt waren. Wir mussten also nicht nur die taktische Ausbildung neu aufstellen, auch die Flugsicherung musste die Verfahren an die Gegebenheiten des Draken anpassen. Dazu wurde auch die Infrastruktur erneuert und ausgebaut.

Der gemütliche Übungsbetrieb war schnell zu Ende, als der Jugoslawien-Krieg ausbrach ...

Eine brenzlige Situation. Wir mussten im Sommer ’91 mit den Draken an der slowenischen Grenze patrouillieren und hatten keine Ahnung, wie sich der Konflikt entwickeln würde und ob er womöglich über die Grenze herüberschwappen würde. Der positive Effekt war, dass das Geschimpfe über die Draken schlagartig verstummt ist. Auf einmal war jeder froh, dass wir sie hatten. 

Die Draken waren 17 Jahre lang in Betrieb und flogen in 24.000 Stunden rund 500 Alpha-Einsätze. Können Sie uns erklären, was genau ein Alpha-Einsatz ist?

„Priority Alpha“ bedeutet, dass ein Luftfahrzeug Vorrang vor allen anderen Luftfahrzeugen hat und verschiedene Regeln wie die Mindestflughöhe übertreten darf. Das funktioniert so ähnlich wie ein Blaulichteinsatz der Polizei, nur effizienter: Während du zum Flieger läufst und Startvorbereitungen triffst, räumt dir das Military Control Center schon zusammen mit den zivilen Einrichtungen den Luftraum frei. Du kannst also direkt zum Einsatzort fliegen. Auslöser für einen Alpha-Einsatz kann zum Beispiel ein ziviles Flugzeug sein, das sich verdächtig benimmt, weil es per Funk nicht erreichbar ist, oder ein Militärflugzeug ohne diplomatische Akkreditierung.

Sind Sie auch den Eurofighter geflogen?

Nein, da war ich schon zu alt für die Ausbildung. Aber er fliegt sich viel einfacher als ein Draken. Wenn wir es wieder mit der Formel-1 vergleichen wollen: Wie ein computerunterstütztes Formel-1-Auto von heute. Den Eurofighter kann man fast nicht mehr zum Abstürzen bringen. Bevor das Flugzeug außerhalb des fliegbaren Bereichs kommt, übernimmt der Computer und bringt das Flugzeug wieder in eine stabile Fluglage.

Wenn Sie heute, mit 60, noch einmal in einen Draken steigen würden – wäre dann auf Anhieb jede Erinnerung wieder da, könnten Sie einfach losstarten?

Naja, ich müsste mich natürlich theoretisch vorbereiten, Checklisten durchgehen, Verfahrensprozeduren. Aber ihn fliegen? Klar, überhaupt kein Problem.